Angetreten zur Grundausbildung

WINDSBACH (30. Juli 2018). Seit Anfang des Schuljahres ist Alexander Rebetge in Windsbach zuständig für die Chorvorbereitung und in der Stimmbildung tätig. Als allererstes will man natürlich wissen, woher dieser Name kommt, der so ganz anders klingt als Meier, Müller oder Schulze. Die Antwort überrascht. Und passt.

 
Rebetge“, erklärt Rebetge, „kommt aus dem Slawischen und bedeute so viel wie Schafhirt.“ Nun sind die Jungs, die da in der Chorvorbereitung vor ihm sitzen, natürlich keine Schafe (und Lämmer schon mal gar nicht)! Aber Rebetge muss auch diese „Herde“ zusammenhalten und unterweisen, damit sie, um im Bild zu bleiben, von ihm geleitet einmal den Weg in den großen Chorsaal und damit in den Probe- und später Reisechor findet. Und wenn die Jungs dort einige Jahre später als Männerstimmen vielleicht ja mal von Heinrich Schütz den 23. Psalm singen, wird Alexander Rebetge seinen Anteil an dieser erfolgreichen Windsbacher Sängerkarriere haben.
 
Doch noch spielt die Musik im Keller, wo im Rahmen der Sanierungsarbeiten des Chorzentrums die alte Hausmeisterwohnung zu Proberäumen umgebaut wurde. Hier unterrichtet Rebetge die jungen „Windsbacher in spe“ in der Chorvorbereitung und bringt ihnen die „Basics“ bei: Zurechtfinden in der Chorprobe, Notenlesen, Blattsing-Kompetenz, Vokalsitz und -ausgleich sowie Bauchatmung. „Es ist so, als würde ich hier eine Programmiersprache eingeben, mit der man dann später im Chor effektiv arbeiten kann.“ Bewusst wird dieses Wissen in der Gruppe vermittelt: „Die Kinder sind es noch nicht gewohnt, mehrstimmig und zusammen zu singen. Wir zeigen ihnen, wie man sich in ein Ensemble einfügen und der Gruppe anpassen kann. Das braucht Übung.“
 
Zwischen einem halben und anderthalb Jahren verbringen die Knaben ihre Zeit mit dem Lernen in der Chorvorbereitung, abhängig von musikalischer Vorbildung und Auffassungsgabe. „Es ist eine chorische Grundausbildung“, sagt Rebetge, der mit seinen Schützlingen auch schon parallel zum Probenchor Stücke einstudiert; denn wenn es dann „nach oben“ geht, soll man ja gleich richtig mitmachen können. Wer den Sprung in den Probenchor schafft, wird in der Gruppe, also mit Stimmbildner und Chorleiter entschieden. Geprobt wird vier Mal wöchentlich: „Wie die Profis“, sagt Rebetge – und meint damit die Choristen einen Stock höher.
 
Ob er in seiner Jugend auch gerne im Windsbacher Knabenchor gesungen hätte? Wer Rebetge von seinem musikalischen Werdegang erzählen hört, darf sich da wohl sicher sein. Zumal er früher selbst einige Jahre bei den Münchner Chorbuben musizierte und mit ihnen auch internationale Reisen absolviert hat. Sich selbst bezeichnet er als „Musiker durch und durch“. Zuhause fühlt er sich in der Oper, besonders bei Richard Wagner, dessen Werke er regelmäßig in Bayreuth hört. Aber sein Herz gehört auch der barocken Kirchenmusik und eigentlich jeder „Musik, die mein Herz berührt“. Das tut vor allem die englische Chor- und Orgelmusik: Rebetge reiste für Fortbildungen nach Oxford und London, wo er als Student-Member des Royal College of Organists lernte.
 
Im Studium lernte Rebetge dann unter anderem Orgeldidaktik und Kinderchorleitung: „Das liegt mir, da fühle ich mich richtig wohl.“ Noch während seines Studiums trat er eine Anstellung als Assistent des Chordirektors des Berliner Staats- und Domchors an, wo er sowohl repetierte als auch selbst Proben leitete. Schon damals war er ebenfalls mit der Betreuung der Nachwuchsgruppen betraut, wo er wichtige Impulse für seine jetzige Tätigkeit sammelte. Daneben leitete er zwei Kantoreien, auch mit älteren Sängerinnen und Sängern und arbeitete an Einstudierungen des Philharmonischen Chores der Humboldt-Universität zu Berlin mit.
 
Rebetge ist nach wie vor von der Dualität seiner Aufgabe begeistert, denn Chorleitung ist für ihn sowohl eine künstlerische als auch eine soziale Aufgabe. „Diesen Spagat muss ich gerade hier leisten“, sagt er im Hinblick auf seine Tätigkeit in Windsbach, wo er sich nicht nur als Musiker und Pädagoge, sondern durchaus auch als eine Art „großen Bruder“ sieht, wenn es beim einen oder anderen jungen Sänger mal Sorgen und Probleme gibt oder das Heimweh Kummer bereitet: „In den Kantoreien mit den Senioren war ich da eher der Enkelersatz“, erinnert sich der 24-jährige schmunzelnd an frühere Tage. Auch die Erfahrungen als Repetitor kann Rebetge in Windsbach gewinnbringend einsetzen, wenn er den Chor in den Proben zuweilen an der neuen Chorsaalorgel begleitet.