Festtagsmusik zu Christi Himmelfahrt

WINDSBACH (4. Juli 2018). Drei Kantaten hat Johann Sebastian Bach allein für den Feiertag Christ Himmelfahrt geschrieben: BWV 37, 128 und 43. Letztere beginnt mit dem jubelnden Eingangschor „Gott fähret auf mit Jauchzen“, der der Kantate auch ihren Namen gibt. Sie findet ist ebenfalls Teil des Bach-Programms, das die Windsbacher im Sommer aufführen.

Die Himmelfahrtskantate „Gott fähret auf mit Jauchzen“ erklang in Leipzig erstmals am 30. Mai des Jahres 1726. Den Text des zweiteiligen Vokalwerks mit insgesamt elf Sätzen entnahm Bach der Meininger Sammlung von 1704, ein Konvolut von Kantatentexten, das auch von seinem Vetter Johann Ludwig genutzt wurde. Wer der Verfasser des beliebten und mehrfach nachgedruckten Kompendiums war, ist unbekannt.
 
BWV 43 beginnt mit einem alttestamentarischem Diktum aus Psalm 47, das Gott als König preist: „Gott fähret auf mit Jauchzen und der Herr mit heller Posaune. Lobsinget, lobsinget Gott; lobsinget, lobsinget unserm Könige!“ Hierauf beziehen sich dann auch die beiden folgenden, frei gedichteten Texte; die Tenor-Arie umschreibt Verse aus dem 68. Psalm, das zuvor gesungene Tenor-Rezitativ formuliert eine (rhetorische) Frage, auf die die Arie dann antwortet.
 
Es folgen sechs identisch strukturierte Strophen: Die Sopran-Arie bezieht sich auf die Situation zwischen Auferstehung und Himmelfahrt, die zuvor als wörtliches Bibelzitat aus dem 16. Kapitel des Matthäusevangeliums geschildert wurde; die folgenden Strophen nennen Jesus „Satans Fürst und Schrecken“ sowie „Kelter-Treter“, der seinen Platz an der rechten Seite Gottes hat. Am Schluss dieser Sequenz wendet sich die Musik direkt an den einzigen Gläubigen und lässt ihn Jesus „dankbar nachrufen.“ Den Schluss der Kantate bilden zwei Choralstrophen des Kirchenlieds „Du Lebensfürst, Herr Jesu Christ“ von Johann Rist aus dem Jahr 1641.
 
Die Besetzung der Kantate besteht aus einem vierstimmigen Chor, Solisten im Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Register sowie Orchester mit drei Trompeten und Pauken, zwei Oboen, Streichern und Continuo-Gruppe. Schon im Eingangschor entfaltet sich eine dem hohen Festtags gebührende Klangpracht, was die Bedeutung des Psalmtextes unterstreicht. Es folgen jeweils Satzpaare aus Rezitativ und Arie für alle vier Solo-Stimmen; nur das letzte Rezitativ lässt den Sopran ein zweites Mal erklingen.
 
Die erste Arie für den Tenor („Ja tausendmal tausend begleiten den Wagen“) stellt der Singstimme eine aus zwei Violinen gerierte Obligatstimme bei, die mit energischen Tonwiederholungen, voluminösen Akkordbrechungen und eleganten Passagen den Typ der „Arie mit heroischen Affekten“ illustriert. Der Sopran antwortet mit dem schlichten Evangelien-Zitat; deutlich intensiver ausgearbeitet ist die folgende Arie mit ihrem introvertierten Charakter („Mein Jesus hat nunmehr das Heilandwerk vollendet“).
 
Das Rezitativ des Basses eröffnet den zweiten Teil der Kantate. Hier bilden die Streicher mit kraftvollen Dreiklangbrechungen und gleichsam ängstlichen Tonwiederholungen die bildhafte Textvorlage vom „Held der Helden“ ab. Die Erregung des Rezitativs ist auch in der folgenden Arie („Er ist’s, der ganz allein die Kelter hat getreten“) zu spüren: Hier zeichnen die rollenden Figuren, die der Continuo-Bass spielt, das biblische Bild  trefflich nach, wobei eine in großem Abstand zu den anderen Stimmen geführte, hohe Trompete die Einsamkeit des Siegers abbildet. Auf diese dramatische Partie folgt eine musikalisch beschauliche Alt-Arie, wobei die ruhigen Terz- und Sextparallelen der beiden Oboen so gar nicht zum vorgetragenen Text passen wollen: „Ich sehe schon im Geiste, wie er, zu Gottes Rechten auf seine Feinde schmeißt, zu helfen seinen Knechten“. Ist dieser Widerspruch dahingehend zu deuten, dass die Knechte auf Erden in Bedrängnis sind, Jesus nun jedoch im Himmel wohnt?
 
Interessant ist, dass Bach mit dem konventionellen Schlusschoral auf fremdes Material zurückgegriffen hat: Der Satz zur Melodie von „Ermuntre Dich, mein schwacher Geist“ stammt nicht komplett von ihm; er entnahm ihn dem 1682 gedruckten Leipziger Gesangbuch von Gottfried Vopelius und hat ihn nur geringfügig bearbeitet. Warum der Thomaskantor hier statt des eher schlichten Satzes keinen eigenen Choral harmonisiert hat, ist nicht bekannt. Bach-Forscher Hans-Joachim Schulze weißt jedoch auf den zeitlichen Kontext hin, in dem BWV 43 entstand: Es ist die erste Kantate, die Bach schrieb, nachdem er in den drei Monaten zuvor in den Gottesdiensten der Leipziger Hauptkirchen ausschließlich Kantaten seines Meininger Vetters Johann Ludwig aufgeführt hat.
 
Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Gemäldes „Ascensione“ von Andrea Mantegna (1431-1506). Es entstammt dem Triptychon „Il Trittico degli Uffizi“ und ist in der Galleria degli Uffizi in Florenz zu sehen.