Ein Stück Himmel auf Erden

WINDSBACH (16. November 2017). Das, was im Inneren des großen Probensaals noch an das Chorzentrum erinnert, ist allenfalls die altbekannte, eckige Form. Sie blieb bestehen – alles andere ist neu oder wird noch Schritt für Schritt modernisiert. Als erstes nahmen die Windsbacher jetzt den großen Chorsaal in Beschlag – nach monatelangem „Interludium“ in der Windsbacher Stadthalle. Mit Johannes Brahms' Lied „Ich fahr dahin, wenn es muss sein“, hatten sich die Sänger nun von ihrer früheren Bleibe verabschiedet.

Für knapp zwei Millionen Euro wird das „Herzstück des weltbekannten Ensembles“, wie die Fränkische Landeszeitung schrieb, derzeit saniert. Mittlerweile hat man eine große Wegstrecke auf dem Weg zum fertigen und dann modernen Chorzentrum auf dem Campus des Sängerinternats zurückgelegt. Und es war mehr als symbolisch, dass einige der jungen Sänger Stühle durch den neuen, großen Chorsaal trugen. Auf ihnen sitzen sie ab jetzt wieder, wenn sie vor Ort und Motetten, Choräle, Oratorien, Weihnachts- und Volkslieder singen.
 
Eigentlich sollte es ja eine neue Bestuhlung geben: gepolstert, wie die im Auditorium. Doch die Firma, mit der man hier zusammenarbeiten wollte, geriet in wirtschaftliche Not, so dass die neuen Sitzmöbel noch auf sich warten lassen. Die Beschaffenheit dieses Mobiliars wird dann übrigens großen Einfluss auf die Akustik im Chorsaal haben. Einige (und hoffentlich viele) der Zuschauerstühle werden dabei eine Plakette mit dem Namen ihres Stifters haben: Für 500 Euro können Stuhlpatenschaften übernommen werden.
 
Gleich geblieben ist die blaue Holzdecke, doch eine neue Lackierung verspricht höheren Brandschutz. Außerdem verbirgt sich darüber nun eine Dämmschicht. Sie und einige weitere Neuerungen sorgen zukünftig für ein angenehmes Raumklima, auch wenn es in den täglichen Proben heiß her gehen wird. Was man sich aktuell im Spätherbst kaum vorstellen mag, wenn man es nicht buchstäblich am eigenen Leib erfahren hat: Im Hochsommer waren Innentemperaturen von 35 Grad keine Seltenheit; wenn die Choristen also über den Noten schwitzten, lag es selten am Anspruch der Partitur. Größere Fenster, nun dreifach verglast, lassen mehr Licht in den Probensaal. Neu sind auch ein weiterer möglicher Fluchtweg sowie ein barrierefreier Zugang und eine komplett neue Elektrik.
 
Ein Problem ist aktuell noch die Akustik: Bevor die bereits erwähnten gepolsterten Stuhlreihen stehen, herrschen hier überakustische Verhältnisse und eine einzelne Trompete ist bereits ohrenbetäubend laut, wie „Testspiele“ von Bläsern ergaben. Bis zur endgültigen Fertigstellung wird man noch mit Teppichen und Stoffen arbeiten, um den Hall zu dämmen. Dann aber, verspricht Chorleiter Martin Lehmann, werde es fantastisch: „Der Himmel auf Erden.“ Und damit dieser Wunsch möglichst bald in Erfüllung geht, stimmten die Windsbacher aus ihrem Adventsprogramm die Motette von Andreas Hammerschmidt an: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch.“