Investition mit Gewinngarantie

WINDSBACH (1. Mai 2018) Am „Tag der Arbeit“ hat man eigentlich frei. Das galt heuer allerdings nicht für die Mitglieder des Knabenchors und ihren Dirigenten Martin Lehmann, die ausgerechnet an diesem Tag einen Auftritt zu absolvieren hatten. Allerdings war dies buchstäblich ein Heimspiel, denn die Windsbacher sangen im neu sanierten Chorsaal – und zwar vor besonderen Gästen: Rund 80 „Stuhlpaten“ saßen auf „ihren“ Sitzen im Zuhörergestühl und genossen ein eigens für sie arrangiertes Sonderkonzert.

500 Euro war es jedem Stuhlpaten wert, den Umbau des Chorzentrums mitzufinanzieren. So hoch war die Spende, mit der sie sich pro Stuhl beteiligten. Ein Sitzrecht ausgerechnet auf „seinem“ Möbel hat man damit zwar nicht erworben, dafür ziert jedoch ein Metallplättchen mit dem Spendernamen den hochgeklappten Stuhl, der nun übrigens ein weinrotes Polster hat – ein schöner Kontrast zum in blau gehaltenen Bezug des Chorgestühls und eine passende Farbgebung für den großen Chorsaal.
 
Der Verwaltungsdirektor des Sängerinternats Roland Andert, unter dessen Regie die Vergabe der Patenschaften stand, begrüßte die Gäste im aktuell fast fertig sanierten Chorzentrum: „Wir wollten nicht länger warten, um uns bei Ihnen für Ihr Engagement zu bedanken“, lobte Andert die Initiative der Stuhlpaten zur Mitfinanzierung der 2,7 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahmen. Dem Chor sei es darum gegangen, Menschen, die den Sängern und der Einrichtung verbunden seien, miteinzubinden: „Sie hören, für wen sie gespendet haben – wir aber sehen jetzt auch, wem wir das zu verdanken haben.“ Neben den Stuhlpatenschaften gibt es noch welche für ganze Räume sowie einzelne Übungszimmer im Untergeschoss. Außerdem wird später eine Spendentafel mit Einzelgebern aufgehängt.
 
Dirigent Martin Lehmann zeigte sich „überaus glücklich“ über die Finanzspritze. 54.500 Euro sind für 110 Zuschauersitze zusammengekommen – die „fehlenden“ 500 Euro erklärte der Künstlerische Leiter des Knabenchores damit, dass eine Patenschaft als Geschenk vergeben wurde: an den früheren Dirigenten Karl-Friedrich Beringer anlässlich seines 70. Geburtstags Anfang des Jahres.
 
„Wir haben das Ende aller Arbeiten vor Augen.“
Bevor der Chor „das Wort“ bekam, berichtete Lehmann kurz über die einzelnen, wichtigen Neuerungen für die Sänger: So sind die Chorpodeste künftig belüftet, eine Verschattungsanlage wird nach Abbau der Gerüste instandgesetzt, eine neue Beleuchtung wurde installiert und der Brandschutz genügt nun neuestem Standard. Neue Fenster, die endlich etwaigen Straßenlärm vom Probenbetrieb fernhalten, eine effektive Außendämmung sowie neue Heizung und Elektronik sorgen dafür, dass das Chorzentrum jetzt auch energetisch nachhaltig betrieben werden kann. Außerdem erwähnte Lehmann noch einen Rollstuhlzugang und eine weitere Tür im großen Chorsaal als möglichen Fluchtweg: „Wir haben das Ende aller Arbeiten vor Augen.“
 
Dass man in den schon fast fertigen Räumlichkeiten offensichtlich bereits gut proben kann, bewiesen die Windsbacher dann mit einem eigens zusammengestellten Konzertprogramm aus weltlichen und geistlichen Werken. So erklangen neben den Motetten „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und „Exsultate Deo“ von Allessandro Scarlatti (1660-1725) als „Windsbacher Evergreens“ auch neue Stücke des aktuellen Repertoires, darunter die Motetten „Jesus und Nikodemus“ von Ernst Pepping (1901-1981) und „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ von Johannes Brahms (1833-1897).
 
Auf der neuen Orgel im Chorsaal (über die an dieser Stelle demnächst ausführlich berichtet werden wird) spielte Chorassistent Alexander Rebetge die Toccata aus der „Suite Gothique“ von Léon Boëllmann (1862-1897), bevor die Knaben Auszüge aus dem Volksliederprogramm der in zwei Wochen anstehenden China-Tournee anstimmten. Einmal mehr durfte man nicht nur die musikalische Güte des Chores genießen, sondern auch die unbedingte Aufmerksamkeit bewundern, mit der die meist ohne Noten musizierenden Jungs während des Singens bei ihrem Dirigenten sind. Den Abschluss bildete das auf der Orgel begleitete „Hallelujah“ aus dem „Messiah“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759), den die Windsbacher am Jahresende singen werden.
 
Der anschließende Stehempfang fand dann im Entrée des Chorzentrums sozusagen „im Schatten der Eiche“ statt, die den Eingangsbereich schmückt und dank ihrer künstlichen Beschaffenheit äußerst pflegeleicht ist. In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Stuhlpaten von A bis Z, respektive von Gerhard und Ingrid Babel bis zu Dr. Hannes Zapf, unter denen sich auch einige Spender aus der Wirtschaft finden, davon überzeugt sind, nicht nur angesichts der aktuell niedrigen Zinsen hier ihr Geld äußerst gewinnbringend investiert zu haben.